Dorfkino im Bürgertreff – Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes ( FSK 6 )
14.März , 19:30 – 22:00

Einlass 19:30 Uhr, Filmbeginn 20:00 Uhr
Charlotte, Königin von Preußen, wünscht sich sehnlichst ein Gemälde von ihrem früheren Lehrer Leibniz; der weilt als Gartenkunstingenieur und Hofdenker bei ihrer Mutter in Hannover; die denn auch Pierre-Albert Delalandre engagiert, einen Malerfatzken, der schon drei vorgefertigte Hintergründe zur Auswahl dabei hat, in die nur noch das Gesicht eingefügt werden muss. Neutral schauen, verinnerlicht! Am besten an nichts denken! Nicht starren! Das Kinn etwas nach vorne. Nicht so düster! Oder doch, besser an etwas Trauriges denken. Achtung, Doppelkinn! Delalandre braucht sein Objekt so, wie es in sein Gemälde passt, und Leibniz beginnt alsbald einen Diskurs über das Abbild und das Vorbild, um die Wahrheit, und wie sie in der Kunst dargestellt werden kann, und um Eigenheit und Identität. So vertreibt er den Schablonenmaler. Und bekommt Aaltje van de Meer. Die sich als Mann ausgeben muss, weil die niederländische Gilde rein maskulin aufgestellt ist.
Und hier nun wird es nach dem Entertainment-Geplänkel ernst, auf amüsante Weise. Denn mit van de Meer bekommt es Leibniz mit einer anderen Art der Kunstherstellung zu tun: Nicht mit der Darstellung der Oberfläche, sondern mit dem Ausdruck der Seele auf der Leinwand. So dass Reitz mit dieser reizvollen Konstellation eine Tour durch Leibniz Denken und Schaffen unternehmen kann, und zugleich ein tolles philosophisches Sparring hinkriegt. Indem er weitgehend in dieser kleinen Kammer bleibt, in der das Malen vor sich gehen soll, und den Gedankenraum weit öffnet.
„Wollen wir ein wenig miteinander denken?“, fragt Leibniz seine Malerin, nach Feierabend ist das eine Ehre für sie, und er schüttelt ein paar Gedanken aus den Ärmeln, die er sicherlich schon lange in petto hat – warum ist etwas, und nicht nichts? Aus solchen Fragen entspinnen sich in dem wunderbaren Dialogdrehbuch weite Gespräche und Diskussionen, in der höfischen Sprache des Jahres 1705, aber wunderbarerweise stets verständlich. Zumal Fragen nach dem Sein, nach Gott, nach dem Bösen, dem Wesen der Zeit als Grundlagen abendländischer Kultur hier auf leichte, aber nicht leichtgewichtige Weise durchdekliniert werden, die schlicht Spaß machen.



