Der Skilehrer aus dem „goldenen Tal“

Die Kinder basteln sich ihre Skier aus Holz und Plastikkannen selbst, manche Erwachsene können auf halbwegs moderne Bretter zurückgreifen. Skifahren am Hindukusch, speziell in Bamiyan in Zentral-Afghanistan ist für europäische Augen eine exotische Angelegenheit. Der Dokumentarfilm „Champions of the Golden Valley“ setzt den Wintersport in Bamiyan eindrücklich in Szene. Am Schlusstag der Olympischen Winterspiele (22. Februar) zeigte das Dorfkino in Anwesenheit des Protagonisten den Film im Bürgertreff.

Alishah Farhang, die Hauptperson in dem Film, war in der Schweiz ausgebildeter Skirennläufer. Zu Olympia 2018 hatte er es nicht geschafft. Stattdessen in seiner Heimat Bamiyan den einzigen Skiclub Afghanistans gegründet. Und die „Afghanistan Ski Challenge“ ins Leben gerufen. Die Wettbewerbsregel war ganz einfach: im Massenstart einen Berggipfel erklimmen und dann Abfahrt ins Ziel. Denn einen Skilift gibt es nicht.

Der Film, großteils im Jahr 2019 gedreht (also vor der Machtübernahme der Taliban), zeigt auf berührende Weise das schlichte und harte Leben in dem wenig entwickelten Landstrich: die Viehzucht mit Rindern, Ziegen und Schafen, das Handwerk mit einfachem Werkzeug, das Leben mit der Natur, die Bedeutung der Religion im Alltag. Aber auch die Lebensfreude der Kinder und die Begeisterung junger Menschen beim Skifahren – ein Sport, der Selbstvertrauen fördert, bei aller Rivalität die Gemeinschaft stärkt und die Trennung der Geschlechter überwindet.

„Für mich ist Skifahren nicht nur Sport, sondern eine Lebensschule“, sagt Alishah Farhang in dem Film. „Der Sport hilft dabei, den alltäglichen Krieg zu vergessen.“ Doch diese scheinbare Idylle brach entzwei, als im August 2021 die Taliban die Macht wieder übernahmen. Hier beginnt der zweite Teil des Films: Alisha Farhang als Flüchtling mit Frau und zwei Kindern, dramatisch dem neuen Regime entkommen und gestrandet zunächst in einem Flüchtlingsheim im Erzgebirge. „Mein Land so zu verlassen, war die schlimmste Erfahrung meines Lebens“, sagt er.

Im voll besetzten Bürgertreff berichtet er von seinen Gefühlen damals und heute, von seinen ersten Erfahrungen in Deutschland, von den Sorgen um seine Verwandten in Bamiyan. Heute lebt er mit Frau und Kindern in Eichstätt und arbeitet als Helfer im Stahlbau.

Foto: Alisha Farhang mit den Vorstandsmitgliedern Andreas Götz (rechts) und Manfred Riedel des Bündnis für Familie.

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