Ein paar Takte Musik – und schon läuft das Kopfkino. Das trifft zumindest zu für Filme, von denen man einmal begeistert war. Dann weckt die Musik die Erinnerung an jene Szenen, die sich eingeprägt haben. Frank Neumann-Staude, Macher des Dorfkinos Neuendettelsau, hat diese Tatsache aufgenommen und umgesetzt in ein Veranstaltungsformat. „Kino für die Ohren“ hatte am Freitag (11. September) im Bürgertreff Premiere. Der Abend war mehr als ein Musikvorspiel. Er war voller Information und hochwertiger Unterhaltung, gleichsam ein kommentiertes Konzert.
Wer kennt nicht den Song „Moon River“? Viele Künstler*innen haben das Lied interpretiert. Doch das Original hat die ziemlich unmusikalische Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“ gesungen. Die Szene im Film – Audrey an der Fensterbank – hat Kultstatus. Zwei „Oscars“ hat das Lied erhalten, einen für den Song selbst, einen der Komponist Henry Mancini für die Filmmusik. Dass auf des Messers Schneide stand, ob „Moon River“ überhaupt im Film bleibt, erfuhr das Publikum im Bürgertreff in Neumann-Staudes Moderation.
Außergewöhnlich ist auch die Geschichte, die hinter der Filmmusik von „Der dritte Mann“ steckt. Dessen Regisseur hörte bei einem Heurigenabend in Wien den Zitherspieler Anton Karras, nimmt ihn mit nach London und produziert mit ihm in sechs Wochen die Filmmusik. Solo-Zither, keine Begleitung, kein Orchester. Das Hauptthema ist ein einfacher Tanz in C-Dur mit punktiertem Rhythmus. Erstmals hat ein einziges Instrument einen ganzen Film getragen. Ein Stück daraus, das „Harry Lime Theme“, wurde ein Welthit.
Dass die passende Musik erst Filme erfolgreich macht, zeigte Neumann-Staude unter anderem an „Lawrence von Arabien“, einem Blockbuster von 1962. „Ich will die Wüste hören, nicht sehen“, soll Regisseur David Lean dem damals unbekannten Komponisten Maurice Jarre gesagt haben. Was diesem offenkundig sehr gut gelungen ist. Jarre bekam seinen ersten „Oscar“. Ein anderes Beispiel ist Steven Spielbergs „Der weiße Hai“. Weil der Star des Films, der mechanische Gummihai, ständig ausgefallen sei, musste die Musik die Bedrohung durch das gefährliche Tier ausdrücken. Zwei Halbtöne mit Cellos und Kontrabässen schufen die knisternde Spannung. Und einen „Oscar“ für John Williams.
Frank Neumann-Staude spannte über 15 Filmmusiken einen Bogen, der das aufmerksame Publikum im Bürgertreff fesselte. Aber dank der Anekdoten, die in der Moderation steckten, auch erheiterte. Insgesamt zwei kurzweilige Stunden, in denen weltbekannte Filmmusik intensiv erlebt wurde. Möglich wurde das durch die intensive Recherchearbeit von Neumann-Staude in Quellen, die teilweise mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegen.
Der Premiere werden noch weitere Abend mit Kinomusik folgen. Das nächste Mal „mit den Ohren ins Dorfkino gehen“ könnten Interessierte an Filmmusik und deren Hintergründe am 30. Oktober. Anlässlich Halloween geht es dann durch sechs Jahrzehnte gespenstige Filmmusik.

