Die Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Sie zählt zu den häufigsten Todesursachen. Nicht zuletzt, weil sie wenig im Bewusstsein der Bevölkerung – selbst in der Ärzteschaft – verankert ist. Bei einem Vortrags- und Gesprächsabend des Bündnis für Familie Neuendettelsau am Montag (19. Oktober) klärten Sepsis-Opfer und deren Angehörige über die tückische Folgeerkrankung von Infektionen auf.
Auf dem Podium im großen Hörsaal der Augustana-Hochschule saß mit Cornelia Sichermann aus Heilsbronn die stellvertretende Vorsitzende der deutschen Sepsis-Hilfe e.V.. Bei der Erzieherin ersetzen sichtbar Prothesen den rechten Arm und den rechten Unterschenkel. Auch Zehen und Finger wurden ihr amputiert. “Die Sepsis hat in mir gewütet”, berichtete sie. Auf eine Infektion nach einer Operation reagierte ihr Körper mit überschießenden Abwehrmechanismen, die Gewebe und Organe angriffen. Ein halbes Jahr lang sei sie ein Schwerstpflegefall gewesen. “Von heute auf morgen hat sich mein Leben komplett verändert.”
“Conny ist unser bestes schlechtes Beispiel”, sagte Stefan Müller aus Pegnitz mit einem Schuss Sarkasmus. Er ist heute Vertreter der Sepsis-Hilfe in Oberfranken, weil er vor 15 Jahren selbst von Sepsis betroffen war. Eine Grippe hatte den “septischen Schock” ausgelöst, der spät erkannt worden sei. Noch heute leide er unter den Folgen. Nach seinen Angaben erleiden in Deutschland jedes Jahr über 230.000 Personen eine Sepsis, jede dritte überlebe nicht. Und die Dunkelziffer sei hoch, weil oft “multiples Organversagen” als Todesursache angegeben werde.
In einer lebhaften Präsentation machte Cornelia Sichermann deutlich, dass die Symptome einer Sepsis sehr unterschiedlich sein können: von Kopfschmerzen bis Schüttelfrost, von Schmerzen am ganzen Körper bis Fieber. Zu den Alarmzeichen zählen Kurzatmigkeit, Herzrasen und Verwirrtheit. Wenn zwei dieser drei Anzeichen vorhanden seien, sollte man den Notarzt konkret fragen: “Kann das Sepsis sein?” Konkret feststellen könne man die Erkrankung nur mittels einer aufwendigen Blutuntersuchung. Und dann müsse schnellstens eine Intensivtherapie einsetzen.
In einem eingespielten Video nannte eine Fachärztin der Sepsis-Hilfe Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze als Ursache einer Sepsis. Oft seien Atemwege oder Harnwege Auslöser, aber auch Mückenstiche und kleine Wunden sollte man nicht unterschätzen. Überdurchschnittlich gefährdet seien ältere Menschen mit Vorerkrankungen, etwa Diabetes. Sie riet dazu, sich gegen Infektionen – auch Grippe – impfen zu lassen, auf Hygiene zu achten und chronische Erkrankungen gut einzustellen.
Die Veranstaltung mit rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörern hatte Frank Neumann-Staude initiiert. Er hatte selbst eine Sepsis erlitten, die in einem Krankenhaus eher durch Zufall entdeckt wurde. Acht Monate war er ein Pflegefall und zuletzt auf einer Reha, bevor er wieder arbeiten konnte. Ihm war es wichtig, über die Tücken der in vielen Fällen tödlich verlaufenden Krankheit aufzuklären, die er zuvor selbst nicht kannte. “Man spricht über Schlaganfall und Herzinfarkt, aber nicht über Sepsis”, stellte er fest zu zieht daraus den Schluss: “Wir müssen laut sein.” Dabei geht es ihm darum, die Folgen für die Angehörigen in den Blick zu nehmen.
Ausführliche Informationen über die Sepsis gibt es bei der gemeinnützigen deutschen Sepsis-Hilfe e.V., im Internet https://sepsis-hilfe.org, Hotline 0700 737 74 700

