Tiefgründiger Dialog mit humorvoller Note

Um das mal klar festzuhalten: Die drei Vorleserinnen waren auch nach der Veranstaltung noch ziemlich nüchtern. Sie hatten nur ein paarmal am Weißwein genippt und sich ansonsten am Dettelsauer Tafelwasser gelabt. Also konnte sich das Publikum beim Literarischen Feierabend am Freitag (9. Oktober) im Bürgertreff dank sicherer Aussprache der Protagonistinnen an dem Buch „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ durchaus ergötzen.

Für die Lesung hatte die Buchhändlerin Maria Neumann (gebürtig in Mecklenburg-Vorpommern) ihre Auszubildende Patricia Beierlein (gebürtig in Thüringen) und Doris Reinelt (gebürtig in Bayern) gewonnen, um irgendwie die Szene nachzustellen, in der dieser Spiegel-Bestseller entstanden ist. Annett Gröschner, Peggy Mädler und Wenke Seemann hatten sich am Küchentisch getroffen, um 35 Jahre nach der Wiedervereinigung in feuchtfröhlichen Nächten über die Ost-West-Problematik zu sinnieren. Da wurden zwar auch Klischees über die DDR-Frauen kalauert – was im Bürgertreff zu Schmunzeln und Gelächter führte. Aber statt billiger Ost-Stereotype entfaltete sich ein tiefgründiger Dialog über weibliche Sozialisation in der DDR, über familiäre Prägungen und die harten wirtschaftlichen wie psychologischen Brüche der Nachwendezeit.

Dazu trugen auch Porträts aus einem anderen Buch bei, die Erinnerungen von verschiedenen Ost-Frauen erschließen. Von der Katholikin aus dem Eichsfeld, die in der DDR zufriedener war, weil trotz des „Eisernen Vorhangs“ Frieden geherrscht habe. Oder der Lehrerin, der zunächst der Weg in den Beruf aufgrund unangepasster politischer Gesinnung versperrt war und die jetzt schmerzlich feststellt: „Der Weg ist lang, bevor man zu leuchten beginnt.“ Und die frustrierte Paula, die vor der Wende in Lohn und Brot stand und ein Dutzend Jahre später klagt: „Uns hört doch sowieso niemand zu.“

Der Literarische Feierabend im Bürgertreff hat sich zu einer beliebten Kulturveranstaltung entwickelt. Das zeigten die Zahl der Besucher*innen und die Gespräche, die sich nach dem offiziellen Teil anhand des aktuellen Themas der Lesung entwickelten. „Bücher sind wichtig für die Kultur einer Gesellschaft“, betonte Buchhändlerin Neumann und kündigte einen weiteren Literarischen Feierabend fürs kommende Frühjahr an.

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