Wenn das Röhrenradio wieder Musik spielt

Der Reparaturtreff Neuendettelsau ist einer von weltweit rund 3200 Einrichtungen, die sich in diesem Jahr am „Internationalen Repair Day“ beteiligt hat. Am Montag (12. Oktober) waren mehr als ein Dutzend Frauen und Männer im Bürgertreff, um ihren defekten Geräten „ein zweites Leben“ geben zu lassen. Die Nachfrage für Reparaturen nehme tendenziell ständig zu, stellte das Team fest.

Das Repertoir an Gerätschaften, das für eine Reparatur angemeldet wurde, reichte vom Laubbläser bis zum Verlängerungskabel mit defekten Kupplungen, von der Soundbar bis zum Kaffeeautomaten und vom leuchtenden Weihnachtsstern bis zur Nähmaschine. Das älteste Teil war ein Röhrenradio Baujahr 1958 mit eingebautem Plattenspieler, der nicht mehr lief. Nachdem Hans Schlund das historische Gerät ausführlich inspiziert und den Fehler in der Mechanik gefunden hatte, beschallte es den Bürgertreff zur Freude der Anwesenden mit Volksmusik von der Langspielplatte.

„Nicht jeder Reparaturversuch gelingt“, betont Hans Schlund. Aber eine Quote von 60 Prozent erreiche man im Schnitt durchaus. Manchmal reicht es bei elektrischen Geräten aus, einen Kontakt zu löten oder einen neuen Kondensator einzusetzen, oft werden die Besitzer beauftragt, ein Ersatzteil zu besorgen, das bei einem zweiten Termin eingesetzt wird. Und wenn die Reparateure feststellen, dass ein Gerät nicht mehr zu reparieren ist, können die Eigentümer es mit gutem Gewissen entsorgen.

Das aktuell fünfköpfige Team um Hans Schlund kommt seit April 2023 an jedem zweiten Monat eines Monats in den Bürgertreff Neuendettelsau. Schon länger ist es jeden zweiten Monat in Sachsen bei Ansbach. Das erste Repaircafé im Gebiet der Allianz Kernfranken gründete Walter Adolf im Bürgertreff Heilsbronn. Überall dabei ist Helmut Keuerleber, der mit seinem Wetzstahl stumpfe Messer schärft. Sämtliche Hilfe wird ehrenamtlich geleistet, wobei freiwillige Spenden willkommen sind. Gerade in Neuendettelsau, wo Interessierte auch aus südlichen Nachbargemeinden kommen, könnte man noch ein paar fachkundige Helfer brauchen, wirbt Hans Schlund.

An den Reparaturtreff lose angegliedert ist die Offene Fahrradwerkstatt, die seit Mai jeden zweiten Samstag für zwei Stunden geöffnet ist. Dort unterstützen Manfred Birke und andere Kundige jene Radfahrerinnen und Radfahrer, die ein Problem bei ihren Zweirädern haben – ob defekte Bremsen, scheppernde Schutzbleche, platte Reifen oder kaputtes Licht. Ziel sei es, dass alle selbst ihr Rad instandhalten können, so Manfred Birke. Aber gerade die Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkünfte für Geflüchtete hätten oft wenig technisches Verständnis für ihr Zweirad. Für sie gab es am 10. Oktober den zweiten Fahrrad-Workshop, organisiert von Susanne Wittmann von der Kommunalen Integration.

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